Die Pute – Das Gangsterhörspielepos

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Die Pute I: Originalsoundtrack

Die Geschichte der Musik Die Pute Is ist eine Geschichte voller Verständnisse, in deren Genuss nun auch Sie kommen können! Sollten Ihnen nur vier oder fünf Musikstücke vorliegen, die sich mit den folgenden Sachverhalten nicht decken, stecken Sie immer noch im Jahr 2005 fest.

Inhalt

Die Stücke dieser Soundtracks

1. Ouvertüre

Zugegebenermaßen ist der Begleittext zum ersten Stück nicht der beste Ort, um eine Entschuldigung zu erbitten. Doch ich sehe es genauso wie Sie: Diese Ouvertüre ist nicht so ein Knaller wie die von Krieg der Sterne. Oberschrecklich ist sie aber zum Glück auch nicht, und es empfiehlt sich, die Melodie des Violinensolos zu beachten, kommt sie doch im Gesamtwerk noch einige Male vor.

Verwendung:

2. Die Pute

Kennen Sie David Lynchs Film Der Wüstenplanet? – Ja? – Und wenn Sie nun auch noch einer jener Menschen sind, die nicht beim Abspann sofort abhauen, dürften Sie Zeuge geworden sein davon, wie zur Musik von Toto die Schauspieler, darunter die Kapitäne von dem Boot (»alt«) und einer Enterprise (glatzköpfig) sowie der Weltmusiker, der mal Bassist von The Police war, einzeln in die Kamera glotzen, damit man sie sich noch mal vor Augen führt.

Jedenfalls stand jenes Toto-Stück namens Take My Hand Pate für Die Pute hier, das in seiner Vorgänger­version ein ähnliches Arrangement hatte: Schlagzeug, Keyboards, Klavier, und bis 2006 im Abspann der Pute lief – allerdings ohne, dass die Hörspieler einzeln ins Mikrofon husteten …

Beachtung finden darf die Melodie, die der Kontrabass im Mittelteil spielt (2:14), denn hier wird Gerd Nährwetters Motiv aus dem nächsten Stück, Familie Nährwetter, vorweg­genommen.

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3. Familie Nährwetter

Ein dicker marlonbrando­artiger Don tanzt im rosa Tutu Ballett – natürlich nur, wenn keiner hinguckt. So etwas in der Art muss ich mir vorgestellt haben, als ich für den »mächtigen und mächtig dicken« Don Gerd Nährwetter einen Walzer in dessen Thema packte.

Natürlich gibt es noch ein ernsthaftes musikalisches Motiv für Gerd, zu hören als Cellosolo in den Strophen. Später gesellt sich eine Querflöten­melodie hinzu (0:59), die für Gerds Sohn Friedemann steht und schließlich in Teil zwei als ↑Friedemanns Thema weiter­verwurstet wird.

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4. Die Fischmarktjagd

Wenn man zuviel mit seinem Mobiltelefon rummacht, kann man schnell den Blick für die Gefahren verlieren, die einen tagtäglich umgeben – das wussten Lukas Brösel und ich schon im Jahr 2004. (Für die junge Leserschaft unter Ihnen: Damals gab es für den mobilen Gebrauch nur Dampfphones, die mit Öl oder Braunkohle betrieben wurden.)

So wird der telefonierende Pute-Hauptheld Mario seines Porte­monnaies beraubt und rennt den Dieben hinterher. Und damit das ganze nicht zu langweilig klingt und man diese Action­sequenz von der einen weiteren Action­sequenz in der gesamten Die-Pute-Trilogie unter­scheiden kann, hat die Hatz über den Fischmarkt ihre eigene Musik. (Hätte Hans Zimmer diesen simplen Ansatz befolgt, könnte man die dreihundert­vierundsiebzig Actionszenen in Fluch der Karibik vielleicht auch voneinander unterscheiden.)

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5. Don Bon Doofi

Nach Marios Randale auf dem Kutter von Schiffer Gottfried, bei der die legendäre »Dorschleber­pastete aus Die Pute« ihre Tonwand­premiere feiert und ich eine oscar®reife Hörspiel­leistung als scheißende Möwe abliefere, tritt zum ersten Mal Don Bon Doofi auf. Sofort denkt man sich: Wer so ein cooles Thema hat, kann kein schlechter Mensch sein, und tatsächlich ist nicht alles, wie es scheint.

Das Thema der Doofis entpuppt sich als das wichtigste in der ganzen Trilogie, denn Tom Bon Doofi, der sogenannte Don Bon Doofi, ist in Wirklichkeit Marios Vater. (Wie jetzt? Was meinen Sie mit: »Da oben stand aber kein Warnhinweis, dass hier alles verraten wird«?) Somit greife ich später immer wieder vor allem auf das Frage-Antwort-Motiv der Strophen zurück, wenn Mario den Platz seines Vaters eingenommen hat. (Wie? Was?)

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6. Telefonterror

Zwei ältere, einflussreiche Herren streiten am Telefon, weil ihre Lakaien einander mit Essen (genauer: DLP™) beschmaddert haben. Klar, dass in diesem Stück die Motive der beiden zu hören sind. Gerds Cellomelodie aus Familie Nährwetter wird hier vom Kontrabass in langgestreckten Tönen intoniert, während Tom Bon Doofis Thema, äh, gibt’s nicht.

(Zu meiner Verteidigung: Das Stück war ursprünglich für die Szene mit der Speisekarten-Sabotage gedacht.)

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7. Problem

»Ein Rockstück longännt­weinding­roden« ist, wenn man jenes, obwohl es eigentlich fertig ist, noch mal mit klassischer Musik zumanscht, wie man hier in der Wikipedia nachlesen kann. Das war auch Simon Franzkowiaks erster Gedanke, als ich unseren 2004 exklusiv für Die Pute (fünfhundert Ausrufe­zeichen) eingespielten Song hier ein Jahr später kunstvoll veredelte.

Der Text ist ein hochkomplexes sozial­kritisches Drama und handelt von Simon F., Thomas G. und Jan W. – einfachen Menschen wie Ihnen und mir. Hier ein Auszug aus dem ersten Akt:

	
              Simon F.
        Ich habe ein Problem.
		
              Thomas G.
              und Jan W.
        Interessiert uns nicht.
	

Mit dem Hörspiel hat das übrigens gar nichts zu tun. Der Song ist da einfach nur drin.

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8. Roberts Tod

Robert »die Niere« findet wenig Gefallen an meiner Orchestrierung von Problem und kippt bei deren letztem Querflötenton aus den Latschen. Und was macht man da? Richtig: man haut weiter mit dem Klavier drauf, indem man es in diesem Stück hier die Problem-Basslinie spielen lässt, bis der am Boden Liegende endlich zu seinen Ahnen abgeritten ist.

Ein kurzes Aufbäumen der Musik symbolisiert, dass das mittlerweile auch seine Kumpels geschnallt haben. Es folgen verschiedene Teile der Solo­melodie aus der Ouvertüre, während man darüber sinniert, ob man jetzt besser ins Bett oder aber in die nächste Kneipe geht.

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9. Der Typ ohne Harmonika

Als ich mich vor ungefähr zehn Jahren im märkischen Sand unter einem freistehenden Rundbogen wiederfand mit einem meiner fetten Freunde auf den Schultern, dessen Hals da oben an den Bogen geknotet war, trat plötzlich Henry Fonda vor mein Antlitz, durch­bohrte mich mit seinem blau­äugigen Blick, griff langsam in seine Tasche und sagte: »Och, nee! Jetzt hab’ ich doch glatt meine Mundhar­monika vergessen.«

Heraus kam dieses Stück. Und damit es sich besser in diesen Soundtrack einfügt, erklingt im Mittelteil Don Bon Doofis Motiv, obwohl dies keinerlei Funktion für das Hörspiel besitzt.

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10. Gekloppe auf der Mole

Mario soll Don Bon Doofi meucheln und wartet draußen am Ende der Mole auf sein Ziel. Garniert mit der Ouvertüre-Melodie, erklingt Bon Doofis Motiv – erst wartend und schließlich beschwingt, als der Don auftaucht. Schon geht die Klopperei los.

Was nun passiert, ist wieder typisch! Weil sich nie jemand die Mühe macht, die Warnschilder zu rutschigen Gehwegen zu lesen, hängen die Kontrahenten bald über der Brüstung. Bon Doofi bleibt keine andere Wahl (Tremolo und schon wieder das Overtüren-Solo), als Mario eine unglaubliche Wahrheit ins Gesicht zu klatschen (Steigerung): Er ist, und jetzt wissen Sie’s ja bereits, dessen Vater.

Sie würden so eine Behauptung natürlich ebensowenig glauben wie Mario, weswegen das Klavier noch eine Telefonterror-artige Wartemelodie klimpert und schließlich mit dem Beweis aufhört.

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11. Vater und Sohn

Wer die titelgebenden Figuren sind, soll hier nicht verraten werden, nur soviel: Ein junger Mann und sein Erzeuger haben einander wieder­gefunden und drücken sich ganz doll. Und dann wird es noch mal dramatisch mit dem Motiv des einen der beiden, als dessen Pumpe nicht mehr so recht mitspielen will.

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12. Neuer Frieden/Schlußsuite

Und da ist er wieder, der Alptraum eines jeden Gärtners: Eine Meute von Menschen latscht den liebevoll gepflegten Rasen platt, nur um »neuen Frieden« zu schließen und ein letztes Mal den einen Laufwitz (engl.: Running gag) abzulassen.

Schon beginnt die Schlußsuite mit einer Reprise des Mittelteils der Overtüre, um schließlich die wichtigsten Stücke aufzukochen: Don Bon Doofi, Familie Nährwetter und Die Fischmarktjagd, bevor es zurück zum Neuen Frieden geht.

Und schon ist es geschafft.

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benutzte Personen

Sarah Weber
Piano
Julia Dux
Solovioline
Benjamin Driehorst
Solocello
Johanna Schattkowsky
Querflöte
Simon Franzkowiak
Gitarre, Problem-Gesang
Jan Wilkendorf
Schlagzeug, Problem-Gesang
Thomas Gutmann
Bass, Problem-Gesang, keine Mundharmonika, Keyboards, Programmierung
Gojko Goodman
Aufnahme
(22. Dezember 2004 und Frühjahr 2006)
Thomas Gutmann
Mischung und Mastering
(Juli bis Oktober 2015, Februar 2018)

benutzte Fremdstücke

Problem
Musik: Simon Franzkowiak
Text: Simon Franzkowiak, Thomas Gutmann
The Man with the Harmonica
Musik: Ennio Morricone
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